Allergien bei Kindern

Allergien bei Kindern

Auch Kinder sind immer häufiger von Allergien betroffen. Neben Heuschnupfen sind zum Beispiel Hausstaub- und Tierhaarallergien verbreitet. Doch was hilft den kleinen Patienten? Erfahren Sie hier, welche Tipps Sie als Eltern beherzigen sollten.

Allergierisiko bei Kindern

Warum manche Kinder Allergien entwickeln und andere nicht, ist bisher nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle spielt jedoch die genetische Veranlagung: So liegt das Allergierisiko eines Kindes bei rund 20 Prozent, wenn bei einem Elternteil eine Allergie vorliegt. Sind beide Elternteile allergisch, steigt das Risiko für das Kind auf über 50 Prozent an. Zum Vergleich: Ohne familiäre Vorbelastung liegt das Allergierisiko bei 5 bis 15 Prozent.

Doch es sind nicht allein die Gene, die die Entwicklung allergischer Erkrankungen begünstigen. Auch vielfältige Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung, Zigarettenrauch und die Ernährung können die Entstehung von Allergien fördern. Mehr erfahren

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Das Immunsystem und die Haut von Kindern sind besonders empfindlich gegenüber Fremdstoffen. Daher sind allergische Reaktionen auch bei den Kleinsten keine Seltenheit. In Abhängigkeit vom Alter treten bestimmte Allergien bevorzugt auf.

Allergien bei Babys: Im ersten Lebensjahr spielen Nahrungsmittelallergien eine zentrale Rolle. Auch eine Neurodermitis zeigt sich oft schon im Säuglingsalter.

Allergien im Kleinkind- und Grundschulalter: In dieser Altersgruppe werden vor allem Allergien gegen Tierhaare und Hausstaubmilben beobachtet, doch auch Heuschnupfen kann auftreten.

Allergien bei Jugendlichen: Heranwachsende leiden häufiger an Heuschnupfen und damit verbundenen Kreuzallergien (z. B. gegen Kern- und Steinobst).

Gut zu wissen: Auch der Verlauf von allergischen Erkrankungen ist bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen unterschiedlich. Speziell wenn Nahrungsmittelallergien oder Neurodermitis schon in den ersten beiden Lebensjahren auftreten, stehen die Chancen gut, dass sich die Probleme noch „auswachsen“ oder die Beschwerden zumindest schwächer werden. Bei Heuschnupfen jedoch besteht die Gefahr, dass sich mit der Zeit ein allergisches Asthma entwickelt.

Häufige Allergieauslöser
Blütenpollen
Kot von Hausstaubmilben
Tierallergene
Medikamente
Nahrungsmittel
Insektengift
Kosmetika

Allergien bei Kindern frühzeitig behandeln

Falls Sie den Verdacht haben, Ihr Kind könnte an einer Allergie leiden, sollten Sie die Symptome zunächst einmal ärztlich abklären lassen. Erster Ansprechpartner ist Ihr Kinderarzt – es gibt auch Kinderärzte mit der Zusatzbezeichnung „Allergologie“. Erst wenn die genaue Diagnose feststeht, können Sie gegen die Allergie aktiv werden. Eine konsequente Behandlung ist aus verschiedenen Gründen – gerade auch im Kindesalter – wichtig, denn:

  • Allergische Beschwerden wie Schnupfen, Augenjucken, Niesattacken oder juckende Hautausschläge können den Alltag stark beeinträchtigen, den Schlaf stören und auch zu Leistungseinbußen in der Schule führen.
  • Auf lange Sicht kann sich aus einem allergischen Schnupfen ein allergisches Asthma entwickeln.
  • Ein Teil der Kinder reagiert von vornherein auch mit schweren Symptomen wie Atemnot.
  • Bleibt die Allergie unbehandelt, entwickeln sich oft weitere Allergien.

Gut zu wissen: Eine frühzeitige Behandlung kann eine Allergiker-Karriere vermeiden.

Allergie bei Kindern: Therapie im Überblick

Zur Behandlung von Allergien stehen grundsätzlich drei verschiedene Therapieprinzipien zur Verfügung, die in der Regel kombiniert zum Einsatz kommen.

Allergenkarenz

Die sogenannte Allergenkarenz – also die Meidung der Allergieauslöser – ist die sicherste Methode, um die Symptome einer Allergie zu lindern und einer Verschlimmerung vorzubeugen. In Abhängigkeit davon, ob etwa Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare die allergischen Symptome bei Ihrem Kind hervorrufen, sind unterschiedliche Maßnahmen geeignet, um die Allergenbelastung zu reduzieren.

  • Bei Nahrungsmittelallergie: Durch das strikte Weglassen der allergieauslösenden Lebensmittel können Symptome vermieden werden – dies sollte allerdings erst geschehen, wenn eine gesicherte ärztliche Diagnose vorliegt. Ansonsten kann sich leicht ein Nährstoffmangel einstellen. Zudem muss nach ein bis zwei Jahren überprüft werden, ob die Lebensmittel zwischenzeitlich vertragen werden. Mehr erfahren
  • Bei Tierallergie: Leider ist die Trennung vom Haustier in der Regel unumgänglich, um eine Verschlimmerung der Symptome zu vermeiden. Mehr erfahren
  • Bei Hauststauballergie: Die Allergenbelastung in der Wohnung und speziell im Kinderzimmer sollte durch geeignete Maßnahmen reduziert werden. Für Matratzen werden Schutzbezüge (Encasings) empfohlen. Mehr erfahren
  • Bei Heuschnupfen: Prüfen Sie die Pollenflugvorhersage, bevor Sie mit Ihrem Kind Aktivitäten im Freien planen. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind abends vor dem Zubettgehen duscht – auch die Haare sollten gewaschen werden, um die Pollen gründlich zu entfernen.
  • Bei Kontaktallergie: Inhaltsstoffe in Reinigungs- und Pflegeprodukten können allergische Reaktionen hervorrufen. Reagiert Ihr Kind auf gewisse Substanzen allergisch, sollten Sie bei der Auswahl entsprechender Produkte immer auf die Angaben zu den Inhaltsstoffen achten.

Medikamente gegen Allergiesymptome bei Kindern

Trotz aller Bemühungen ist es oft nicht möglich, den Kontakt zum Allergieauslöser komplett zu vermeiden. Daher müssen Sie damit rechnen, dass Ihr Kind immer wieder allergische Beschwerden entwickelt. Antiallergisch wirksame Medikamente, können die akuten Beschwerden schnell und zuverlässig lindern. Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem Kinderarzt besprechen, welche Antiallergika in welcher Dosierung für Ihr Kind geeignet sind. Je nach Alter des Kindes sowie Ausprägung und Schwere der Symptomatik können verschiedene Antiallergika infrage kommen:

Sie sind die klassischen Antiallergika und kommen zum Beispiel bei allergischem Schnupfen (z. B. Heuschnupfen, Tierallergie, Hausstaubmilbenallergie) oder allergisch bedingten Hautreaktionen zum Einsatz. Antihistaminika sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich (z. B. Tropfen, Saft, Augentropfen) und hemmen die Wirkung von Histamin. Dabei handelt es sich um einen körpereigenen Botenstoff, der eine Schlüsselrolle bei der Auslösung allergischer Beschwerden spielt. Ihr Vorteil ist ihre schnelle Wirksamkeit. Vor allem ältere Wirkstoffe können müde machen, was vor allem für Schulkinder problematisch sein kann. Bei Antihistaminika der neueren Generation tritt diese Nebenwirkung seltener auf.

Sie sind schwächer und kürzer wirksam als Antihistaminika und müssen daher mehrmals täglich angewendet werden. Aufgrund ihrer guten Verträglichkeit können entsprechende Medikamente (z. B. Nasensprays, Augentropfen, Tabletten) nach Rücksprache mit dem Arzt bei Kindern zur Behandlung von allergischem Schnupfen oder Nahrungsmittelallergien infrage kommen.

Glukokortikoide (umgangssprachlich auch Kortison genannt) verfügen über eine besonders starke antiallergische Wirkung und haben zusätzlich auch entzündungshemmende Effekte. Während eine innerliche Behandlung mit Tabletten bei Kindern aufgrund von möglichen Nebenwirkungen nur in bestimmten Fällen infrage kommt, ist eine lokale Behandlung mit speziell für Kinder geeigneten Präparaten (z. B. Salben oder Cremes) ab einem gewissen Alter in der Regel gut verträglich.

Medikamente, die vorwiegend in Form von Salben oder Cremes auf der Haut angewendet werden (z. B. als Alternative zu Kortisonsalben bei Neurodermitis) und das Immunsystem unterdrücken.

Sie kommen u. a. zur Behandlung von leichtem bis mittelschwerem allergischen Asthma bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz und werden meist mit einem anderen Medikament kombiniert.

Im Einzelfall können weitere Medikamente wie etwa bronchienerweiternde Wirkstoffe (bei allergischem Asthma) zum Einsatz kommen. Kinder, die zu starken allergischen Reaktionen neigen (Anaphylaxie), sollten sie immer ein Notfall-Set bei sich führen. Dieses wird vom Arzt verordnet und enthält wichtige Medikamente, die im Ernstfall Leben retten können. Wichtig ist, dass Ihr Kind und seine Bezugspersonen (auch in der Schule) mit der Anwendung der Notfall-Medikamente vertraut gemacht werden.

Wichtig: Verabreichen Sie Ihrem Kind niemals Arzneimittel ohne Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt.

Hyposensibilisierung

Speziell bei Kindern ist die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt, besonders erfolgversprechend. Einen hohen Stellenwert hat sie vor allem bei der Behandlung von Heuschnupfen und Hausstauballergie. Sie bietet die Möglichkeit einer ursächlichen Behandlung. Ziel ist es, dem Körper die Allergie „abzugewöhnen“. Durch die regelmäßige Gabe kleiner Dosen des Allergens soll die allergische Reaktion abgeschwächt werden oder bestenfalls sogar ganz ausbleiben.

Hätten Sie's gewusst?

Mehr als 20 Prozent der Kinder und über 30 Prozent der Erwachsenen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer allergischen Erkrankung. Am häufigsten kommt der Heuschnupfen vor.

In den westlichen Industrieländern ist die Zahl der Allergiker in den vergangenen Jahrzehnten teils um das Zwanzigfache gestiegen.

Ist ein Elternteil allergisch, liegt das Allergierisiko des Kindes bei rund 20 Prozent. Haben beide Elternteile eine Allergie, steigt das Risiko sogar auf über 50 Prozent an.

Im Kindesalter sind Jungen häufiger von Allergien betroffen als Mädchen. Ab der Pubertät kehrt sich das Verhältnis um.

Die einzige Möglichkeit zur ursächlichen Behandlung von Allergien ist die sogenannte Hyposensibilisierung.

Im Schnitt leben zwei bis zehn Millionen Hausstaubmilben in einer Matratze. Eine solche Population kommt sechs Wochen lang mit einem Gramm menschlicher Hautschuppen als Nahrung aus.

Der Begriff „Tierhaarallergie“ ist eigentlich falsch. Denn tatsächlich reagieren Allergiker auf bestimmte Eiweiße, die sich zum Beispiel in Speichel, Talg oder den Hautschuppen der Tiere befinden.

Echte Nahrungsmittelallergien kommen eher selten vor. Nur etwa drei Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Hinter den Beschwerden stecken meist andere Ursachen – zum Beispiel Unverträglichkeiten oder eine Kreuzallergie.

Ähnlich wie bei anderen Hauterkrankungen kann Stress auch bei Nesselsucht die Symptome verschlimmern oder akute Schübe auslösen.