Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergie

Kribbeln im Gaumen, Hautausschlag oder Durchfall: Wenn es nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel zu Beschwerden kommt, vermuten viele Betroffene, dass eine Allergie dahinter steckt. Speziell bei Erwachsenen ist dies jedoch eher selten der Fall. Daher ist eine genaue Diagnostik sehr wichtig. Erfahren Sie hier mehr dazu.

Nahrungsmittelallergie: Was ist das?

Bei einer Lebensmittelallergie stuft das Immunsystem harmlose Eiweiße aus der Nahrung als gefährlich ein. Nach einem symptomfreien Erstkontakt werden Abwehrstoffe (sog. IgE-Antikörper) gegen die Allergene gebildet. Diese Phase nennt man auch Sensibilisierung. Sie verläuft in der Regel unbemerkt. Beim nächsten Kontakt aktiviert das Immunsystem seine Abwehrmechanismen – in der Folge stellen sich die Allergiesymptome ein.

Bei einer Nahrungsmittelallergie handelt es sich um eine Allergie vom Sofort-Typ. Das heißt: Die ersten Symptome treten meist innerhalb kürzester Zeit (wenige Minuten bis zwei Stunden) nach dem Kontakt mit dem Allergieauslöser auf. Charakteristisch für Allergien ist, dass bereits kleinste Mengen des Allergens ausreichen können, um das Immunsystem zu aktivieren – zum Beispiel Spuren von Erdnüssen.

Nahrungsmittelallergien lassen sich in zwei Kategorien unterteilen

  • Primäre Nahrungsmittelallergien: In diesem Fall richtet sich die Abwehrreaktion des Immunsystems direkt gegen Inhaltsstoffe aus einem Lebensmittel.
  • Sekundäre Nahrungsmittelallergien: In diesem Fall besteht eine primäre Allergie (z. B. gegen Pollen), die dazu führt, dass das Immunsystem bei Kontakt mit ähnlich aufgebauten Allergenen (z. B. aus bestimmten Obstsorten) ebenfalls eine Abwehrreaktion auslöst und in der Folge Allergiesymptome auftreten. Mehr erfahren über sogenannte Kreuzallergien

Gut zu wissen: Wenn Erwachsene allergisch auf Nahrungsmittel reagieren, handelt es sich meist um eine sogenannte Kreuzallergie oder um eine noch aus dem Kindesalter bestehende Allergie. Im Erwachsenenalter neu auftretende, primäre Nahrungsmittelallergien sind selten. Nahrungsmittelallergien bei Kindern verschwinden häufig im Laufe der Zeit. Nussallergien bleiben allerdings oft bis ins Erwachsenenalter hinein bestehen.

“Echte“ Nahrungsmittelallergie oder Unverträglichkeit?

„Echte“ Nahrungsmittelallergien kommen bei Erwachsenen nur selten vor. Viel häufiger ist eine Unverträglichkeit (Intoleranz) die Ursache von Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme auftreten. Während Allergiesymptome durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems hervorgerufen werden, liegen bei Unverträglichkeiten andere Störungen – etwa bei der Verdauung oder Aufnahme bestimmter Nährstoffe – zugrunde.

„Echte“ Nahrungsmittelallergien: Überblick

  • Das Immunsystem ist beteiligt.
  • Symptome treten nicht beim ersten Kontakt auf, da eine Sensibilisierungsphase erforderlich ist.
  • Oft reichen schon geringste Mengen des Allergieauslösers aus, um Symptome hervorzurufen.
  • Auslöser sind Proteine in Lebensmitteln. Zucker oder Salze können keine Allergie auslösen.
  • Beispiele: Erdnuss-, Hühnerei- oder Fischallergie.

Unverträglichkeiten (Intoleranz): Überblick

  • Das Immunsystem ist nicht beteiligt.
  • Die Symptome können schon beim ersten Kontakt auftreten (es bedarf keiner Sensibilisierung).
  • Ursache können z. B. Störungen bei der Verdauung oder Aufnahme von Nährstoffen sein.
  • Beispiele: Unverträglichkeit von Milchzucker, Fruchtzucker oder Gluten.

Nahrungsmittelallergie: Ursachen & Auslöser

Die genauen Ursachen für die Entstehung einer Nahrungsmittelallergie sind nicht geklärt. Da besonders häufig Kinder mit Neurodermitis betroffen sind, vermuten Experten, dass eine genetische Veranlagung für Allergien (Atopie) eine Rolle spielt.

Am häufigsten kommen Allergien gegen folgende Lebensmittel vor:

  • Kuhmilch
  • Hühnerei
  • Erdnüsse und Baumnüsse (z. B. Haselnuss, Walnuss)
  • Soja
  • Weizen
  • Fisch
  • Sellerie

Nahrungsmittelallergie: Symptome

Die Symptome bei einer Nahrungsmittelallergie können sehr unterschiedlich sein. Möglich sind unter anderem folgende Beschwerden:

  • Symptome im Mund- und Rachenraum: z. B. Juckreiz, Kribbeln und Brennen, manchmal auch Schwellungen von Lippe, Zunge und Gaumen. Diese Beschwerden kommen am häufigsten vor.
  • Hautreaktionen: z. B. Hautausschläge mit Rötungen, Schwellungen und Quaddelbildung. Bei Patienten mit Neurodermitis kann es zu einem Schub kommen. Manchmal treten Hautreaktionen auch erst 6 bis 24 Stunden nach den ersten Symptomen im Mund- und Rachenbereich auf.
  • Magen-Darm-Beschwerden: z. B. Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Diese Symptome zeigen sich meist innerhalb einer halben Stunde nach dem Essen.
  • Reaktionen der Augen und Atemwege: z. B. juckende, tränende Augen, laufende Nase, Heiserkeit.
  • Atemprobleme: z. B. Husten oder pfeifende Atmung. Manchmal schwellen die Atemwege so stark an, dass es zu Atemnot kommen kann.

Die Beschwerden können je nach Allergen unterschiedlich stark ausfallen. So lösen Allergien auf Obst und Gemüse in der Regel eher leichtere Symptome, wie etwa Juckreiz im Mund- und Rachenraum oder leichtere Hautausschläge, aus. Bei Allergien auf Schalentiere, Fisch oder Nüsse kommt es hingegen häufiger zu starken Beschwerden bis hin zur Atemnot oder sogar zu einem anaphylaktischen Schock.

Die Symptome einer Nahrungsmittelallergie können leicht mit denen bestimmter Unverträglichkeiten (z. B. Laktose-Intoleranz) oder anderer Erkrankungen verwechselt werden. Auch beim sogenannten Reizdarmsyndrom können ähnliche Beschwerden wie bei einer Nahrungsmittelallergie auftreten. Daher ist eine genaue Diagnosestellung durch den Arzt wichtig.

Nahrungsmittelallergie: Was hilft?

Bei Nahrungsmittelallergien kommt es vor allem darauf an, die problematischen Lebensmittel zu meiden. Zur Linderung von akuten Beschwerden sind geeignete Medikamente gefragt.

Auslöser meiden

Die zentrale Behandlungsstrategie bei einer Lebensmittelallergie besteht darin, auf die allergieauslösenden Nahrungsmittel zu verzichten (Allergenkarenz). Wie einfach dies zu bewerkstelligen ist, ist im Einzelfall unterschiedlich. Wichtig ist, dass eine ärztliche Diagnose vorliegt – denn wer „auf Verdacht“ wichtige Lebensmittelgruppen vom Speiseplan streicht, entwickelt leicht einen Nährstoffmangel. Oft wird daher eine Ernährungsberatung empfohlen.

Da Lebensmittelallergien bei Kindern häufig von alleine wieder verschwinden, ist es empfehlenswert, regelmäßig beim Arzt überprüfen zu lassen, ob die Allergie weiterhin besteht.

Mittel gegen Nahrungsmittelallergie

Bei akuten Allergiesymptomen kommen verschiedene sogenannte Antiallergika infrage, um die Beschwerden zu lindern. Bei leichteren Symptomen können Antihistaminika gute Dienste leisten, da sie rasch wirken. Bei schweren allergischen Reaktionen ist eine Notfallbehandlung erforderlich.

  • Antihistaminika: Sie hemmen die Wirkung des Botenstoffs Histamin, der maßgeblich für die Entwicklung der Symptome bei Allergien verantwortlich ist. Bei akuten, leichteren Symptomen einer Lebensmittelallergie können Antihistaminika eingesetzt werden – dies gilt vor allem für Haut- und Schleimhautreaktionen.
  • Notfall-Set: Bei Nahrungsmittelallergien kommen starke anaphylaktische Reaktionen vergleichsweise häufig vor. Wer zu schweren allergischen Reaktionen neigt, sollte immer ein Notfall-Set mit sich führen. Dieses wird vom Arzt verordnet und enthält neben einem schnell wirksamen Antihistaminikum ein Kortison-Präparat und eine Fertigspritze mit Adrenalin. Wichtig ist, dass man sich für den Ernstfall mit der Anwendung der Medikamente vertraut macht und zusätzlich immer ein Notarzt gerufen wird.

Bei manchen Allergien wird eine sogenannte Hyposensibilisierung empfohlen. Ziel dieser Behandlung ist es, die Ursache der Beschwerden – die überschießende Reaktion des Immunsystems – zu beseitigen, indem der Körper durch die regelmäßige Gabe kleiner Allergenmengen an die Substanzen gewöhnt wird. Anders als zum Beispiel bei Heuschnupfen oder Hausstauballergie ist derzeit bei Nahrungsmittelallergien keine Hyposensibilisierung möglich.

Gut zu wissen: Bei Heuschnupfen-Patienten wird häufig beobachtet, dass sich nach einer Hyposensibilisierung mit „ihren“ Pollenallergenen auch Kreuzallergien (z. B. auf bestimmte Obstsorten) abschwächen.

Tipps bei Nahrungsmittelallergie

Auslöser aufdecken

Sie haben den Verdacht, auf bestimmte Lebensmittel allergisch zu reagieren? Dann sollten Sie für eine genaue Diagnose einen Termin beim Allergologen vereinbaren. Zur Vorbereitung auf das Arztgespräch kann es hilfreich sein, für etwa zwei Wochen ein Ernährungs- und Symptom-Tagebuch zu führen. Dabei werden sämtliche Speisen und Getränke eingetragen (auch Süßigkeiten, Kaugummis, etc.). Notieren Sie auch, wann Beschwerden aufgetreten sind, was die genauen Symptome waren und wie stark diese waren. Halten Sie auch Besonderheiten wie Restaurantbesuche, sportliche Aktivität sowie die Einnahme von Medikamenten fest.

Bekannte Auslöser meiden

Die wichtigste Maßnahme bei einer Lebensmittelallergie besteht darin, auf die problematischen Nahrungsmittel zu verzichten (Allergenkarenz). Das ist allerdings nicht immer so einfach – denn oftmals sind Allergene in Lebensmitteln „versteckt“, in denen man sie gar nicht erwartet hätte. Daher ist es empfehlenswert, sich durch den Arzt oder entsprechend geschulte Ernährungsfachkräfte beraten zu lassen.

Wichtig: Tragen Sie stets ein Notfallset bei sich, wenn bei Ihnen ein Risiko für schwere Reaktionen besteht – denn selbst bei vorsichtigem Verhalten kann es vorkommen, dass man das Allergen doch mal „erwischt“.

Verstärkende Faktoren berücksichtigen

Bestimmte Faktoren können allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel fördern oder verstärken. Vor allem körperliche Anstrengung kann schwere allergische Reaktionen begünstigen und im schlimmsten Fall bei Betroffenen sogar zu einem allergischen Schock führen. Doch auch Infekte, Alkoholkonsum, Stress, manche Medikamente sowie Hitze und Kälte können sich auf die Allergie auswirken. Welche Einflüsse im Einzelfall relevant sind, ist unterschiedlich. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem Arzt darüber.

Lebensmittel anders zubereiten

Manchmal ist ein kompletter Verzicht auf die problematischen Nahrungsmittel gar nicht notwendig, sondern es genügt, diese anders zuzubereiten. Dies ist speziell bei Kreuzallergien auf bestimmte Obstsorten der Fall, die bei Heuschnupfen-Patienten häufig sind: Während die Betroffenen auf rohe Äpfel allergisch reagieren, sind Apfelmus oder Apfelkuchen in der Regel unproblematisch. Und ein Teil der Kinder mit einer Kuhmilch- oder Hühnerallergie verträgt Milch oder Eier in verbackener Form (z. B. Kekse, Kuchen). Bei Nüssen ist allerdings immer besondere Vorsicht geboten, da die enthaltenen Allergene sehr stabil sind. Dies gilt insbesondere für Erdnüsse – hier können bereits Spuren ausreichen, um eine heftige allergische Reaktion auszulösen.

Wichtig: Vor allem bei Vorliegen einer echten Allergie sollten erste Versuche mit verarbeiteten Lebensmitteln grundsätzlich nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder sogar unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Regelmäßige Kontrolle

Bei Kindern verschwinden Lebensmittelallergien oft von selbst. Spätestens bis zum Jugendalter vertragen viele Betroffene die einstmals problematischen Nahrungsmittel wieder. Daher empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren, ob die Allergie weiterhin besteht oder ob der Speiseplan wieder ausgeweitet werden kann.

Wichtig: Die Kontrolle sollte stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, falls es zu einer starken allergischen Reaktion kommt.

Hätten Sie's gewusst?

Mehr als 20 Prozent der Kinder und über 30 Prozent der Erwachsenen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer allergischen Erkrankung. Am häufigsten kommt der Heuschnupfen vor.

In den westlichen Industrieländern ist die Zahl der Allergiker in den vergangenen Jahrzehnten teils um das Zwanzigfache gestiegen.

Ist ein Elternteil allergisch, liegt das Allergierisiko des Kindes bei rund 20 Prozent. Haben beide Elternteile eine Allergie, steigt das Risiko sogar auf über 50 Prozent an.

Im Kindesalter sind Jungen häufiger von Allergien betroffen als Mädchen. Ab der Pubertät kehrt sich das Verhältnis um.

Die einzige Möglichkeit zur ursächlichen Behandlung von Allergien ist die sogenannte Hyposensibilisierung.

Im Schnitt leben zwei bis zehn Millionen Hausstaubmilben in einer Matratze. Eine solche Population kommt sechs Wochen lang mit einem Gramm menschlicher Hautschuppen als Nahrung aus.

Der Begriff „Tierhaarallergie“ ist eigentlich falsch. Denn tatsächlich reagieren Allergiker auf bestimmte Eiweiße, die sich zum Beispiel in Speichel, Talg oder den Hautschuppen der Tiere befinden.

Echte Nahrungsmittelallergien kommen eher selten vor. Nur etwa drei Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Hinter den Beschwerden stecken meist andere Ursachen – zum Beispiel Unverträglichkeiten oder eine Kreuzallergie.

Ähnlich wie bei anderen Hauterkrankungen kann Stress auch bei Nesselsucht die Symptome verschlimmern oder akute Schübe auslösen.