Allergie – was ist das?

Allergie – was ist das?

Bei einer Allergie handelt es sich um eine überschießende Reaktion der körpereigenen Abwehr auf Substanzen, die eigentlich harmlos sind. Bei Allergien vom Sofort-Typ treten die Beschwerden direkt nach dem Kontakt mit dem Allergen, beispielsweise Pollen oder Hausstaubmilben auf. Beim sogenannten Spät-Typ ist frühestens nach etwa 12 Stunden mit Symptomen zu rechnen.

Allergie: Wenn das Immunsystem überreagiert

Wenn allergische Symptome auftreten, liegt eine Reaktion des körpereigenen Immunsystems zugrunde, die über das normale Maß hinaus geht: Der Körper stuft eigentlich harmlose Stoffe als gefährlich ein und löst eine Abwehrreaktion aus. Normalerweise richten sich diese Abwehrmechanismen gegen Krankheitserreger wie Bakterien und Viren, um Infektionen abzuwehren. Im Falle einer Allergie hingegen werden Stoffe wie Pollen, Tierallergene oder Nahrungsmittel für die Betroffenen zum Problem. Bei einer allergischen Reaktion handelt es sich also um eine fehlgerichtete Antwort des Immunsystems auf eigentlich unschädliche Substanzen aus der Umwelt.

Gut zu wissen: Körperfremde Substanzen, die häufig Allergien auslösen, werden als Allergene bezeichnet. Ein wichtiges Merkmal vieler Allergien ist, dass schon kleinste Mengen des jeweiligen Allergens ausreichen, um Symptome hervorzurufen.

Häufige Allergieauslöser
Blütenpollen
Kot von Hausstaubmilben
Tierallergene
Medikamente
Nahrungsmittel
Insektengift
Kosmetika

Erst Sensibilisierung, dann Allergie

Damit sich eine Allergie überhaupt entwickeln kann, ist ein wiederholter Kontakt mit dem Allergen erforderlich – dabei wird die sogenannte Sensibilisierungsphase durchlaufen. Im Körper spielen sich dabei unterschiedliche Vorgänge ab:

Erster Kontakt mit dem Allergen: In der Sensibilisierungsphase treten noch keine allergischen Symptome auf. Der Körper wird zunächst nur gegen das jeweilige Allergen „sensibilisiert“ – das bedeutet: Das Allergen wird als „gefährlich“ eingestuft und das Immunsystem bildet spezifische Abwehrstoffe (z. B. IgE-Antikörper) dagegen. Im Körper entwickelt sich so die Bereitschaft, das Allergen bei einem erneuten Kontakt zu bekämpfen. Diese Prozesse verlaufen unbemerkt – die Betroffenen spüren nichts davon. Daher ist in diesem Zusammenhang auch oft von einer „stummen Sensibilisierung“ die Rede.

Bei wiederholten Kontakten mit dem Allergen: Ist die Sensibilisierungsphase abgeschlossen und kommt es zu einem erneuten Kontakt mit dem Allergen, erinnert sich das Immunsystem an die als feindlich eingestufte Substanz und leitet die Abwehrprozesse ein. Diese lösen die typischen Allergie-Symptome aus.

Es kann mitunter Jahre dauern, bis die Sensibilisierungsphase abgeschlossen ist. Daher kann es durchaus vorkommen, dass Betroffene immer wieder mit einem Allergen in Kontakt kommen, ohne dass etwas „passiert“ – bis dann plötzlich Symptome auftreten.

Heuschnupfen , Tier- oder Hausstauballergien können dementsprechend in jedem Alter auftreten und auch dann Beschwerden hervorrufen, wenn frühere Kontakte mit dem jeweiligen Allergen symptomfrei verliefen.

Allergie ist nicht gleich Allergie

Wie genau das Immunsystem bei einer Allergie reagiert, ist unterschiedlich. Daher werden verschiedene Allergie-Typen unterschieden. Am häufigsten kommen die Allergie vom Sofort-Typ und vom Spät-Typ vor.

Allergie vom Sofort-Typ:

  • Die ersten allergischen Symptome treten innerhalb von Sekunden oder Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen auf.
  • Diese Reaktion des Immunsystems wird durch IgE-Antikörper vermittelt.
  • Beispiele: Heuschnupfen, Hausstauballergie, Tierallergie, allergisches Asthma, Nesselsucht, Insektengiftallergie.

Allergie vom Spät-Typ:

  • Die allergischen Symptome treten verzögert auf (etwa nach 12 bis 72 Stunden).
  • Diese Reaktion des Immunsystems wird durch bestimmte Immunzellen, sogenannte T-Lymphozyten, vermittelt.
  • Beispiele: Allergisches Kontaktekzem (z. B. bei Nickel- oder Latexallergie), Allergien gegen Medikamente.

Darüber hinaus gibt es weitere Allergie-Typen (z. B. Immunkomplex-Typ, Zytotoxischer Typ), die allerdings deutlich seltener vorkommen.

Allergie: Was passiert im Körper?

Die Reaktionen des Immunsystems laufen zumeist in mehreren, komplizierten Schritten ab. Beteiligt sind je nach Allergietyp bestimmte Zellen, Botenstoffe oder Antikörper.

Antikörper: Die sogenannten IgE-Antikörper spielen eine zentrale Rolle bei der Auslösung von Allergien vom Sofort-Typ (z. B. Heuschnupfen, Hausstauballergie). Das Immunsystem bildet beim ersten Kontakt mit dem Allergen im Rahmen der Sensibilisierungsphase spezifische IgE-Antikörper, die genau gegen dieses eine Allergen gerichtet sind. Bei einem erneuten Allergen-Kontakt aktivieren diese IgE-Antikörper Zellen, die die allergische Reaktion einleiten. Mit speziellen Tests kann die Konzentration von IgE im Blut gemessen werden. Erhöhte IgE-Werte können auf eine Allergie hinweisen (aber zum Beispiel auch auf Infektionen).

Histamin: Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der bei Allergien vom Sofort-Typ (z. B. Heuschnupfen, Hausstauballergie) von großer Bedeutung ist. Die hormonähnliche Substanz wird u. a. in sogenannten Mastzellen gespeichert. Bei Kontakt mit dem Allergen wird vermehrt Histamin ausgeschüttet. Im Gewebe dockt der Entzündungs-Botenstoff an spezielle Rezeptoren an und entfaltet so seine Wirkungen, die schlussendlich die allergischen Symptome hervorrufen. Je nach Organ können diese sich unterscheiden: In der Nase zeigt sich die Allergie zum Beispiel durch Juckreiz, Niesen und Fließschnupfen. Auf der Haut entwickeln sich Rötungen und Quaddeln. In den unteren Atemwegen zieht sich die Muskulatur zusammen, die Bronchien verengen sich und Atemnot tritt auf. Im Darm können sich allergische Reaktionen (z. B. auf Nahrungsmittel) durch Krämpfe, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall zeigen.

T-Lymphozyten: Diese Abwehrzellen sind an Allergien vom Spät-Typ (z. B. Kontaktallergie) beteiligt. In diesem Fall greifen T-Lymphozyten die Allergene direkt an und arbeiten mit entzündungsfördernden Botenstoffen (Lymphokine) und angelockten Fresszellen zusammen – IgE-Antikörper spielen hier keine Rolle. Das Allergen wird im Rahmen dieser Abwehrreaktion zerstört und beseitigt. Als Begleiterscheinung treten teils heftige allergische Symptome auf.

Häufige Allergien im Überblick

Da grundsätzlich jedes Eiweiß als Allergen wirken kann, gibt es zahlreiche unterschiedliche Allergiearten. Besonders häufig sind zum Beispiel:

Die allergischen Symptome können von Fall zu Fall unterschiedlich stark ausgeprägt sein und verschiedene Organe (z. B. Haut, Atemwege, Magen-Darm-Trakt) betreffen. Schwere allergische Reaktionen können auch den ganzen Körper erfassen und lebensbedrohlich sein (Anaphylaxie) – sie sind daher ein Fall für den Notarzt.

Verdacht auf Allergie – was tun?

Falls Sie Beschwerden haben, die auf eine Allergie hindeuten könnten, sollten Sie sich an einen Arzt, am besten an einen Allergologen, wenden. Im Rahmen der Allergie-Diagnostik können verschiedene Tests zum Einsatz kommen. Sollte der Arzt Ihren Verdacht bestätigen, ist eine konsequente Behandlung wichtig.

Gut zu wissen: Menschen, die zu schweren allergischen Reaktionen neigen, sollten ein Notfall-Set mit sich führen. Es besteht aus verschiedenen Medikamenten, die bei sofortiger Anwendung die allergische Reaktion abmildern und so Leben retten können.

Tipps für Allergiker

Genaue Diagnose ist wichtig

Beschwerden, die auf eine Allergie hinweisen könnten, sollten ärztlich abgeklärt werden. Mit speziellen Tests lässt sich feststellen, ob tatsächlich eine Sensibilisierung (Allergiebereitschaft) vorliegt und gegen welche Substanzen Sie allergisch reagieren. Erst wenn klar ist, ob Hausstaubmilben, Pollen oder Tierhaare das Problem sind, können Sie gegen die Allergie aktiv werden.

Tipp: Bereiten Sie sich möglichst gut auf Ihren Arzttermin vor. Je präziser Sie beschreiben können, welche Beschwerden wann auftreten, desto besser. In diesem Zusammenhang kann es hilfreich sein, im Vorfeld ein Allergietagebuch zu führen. Vordrucke gibt es online.

Allergieauslöser meiden

Oft kann eine Besserung der Beschwerden erreicht werden, indem der Allergen-Kontakt vermieden oder zumindest reduziert wird. Heuschnupfen-Geplagte sollten zum Beispiel bei der Planung von Aktivitäten im Freien die Pollenflugvorhersage berücksichtigen. Richtet sich die Allergie gegen das eigene Haustier, ist es meist unvermeidlich, das Tier abzugeben. Löst eine Hausstauballergie die allergischen Symptome aus, kann u.a. die Verwendung von Schutzbezügen für Matratzen (Encasings) hilfreich sein.

Gut zu wissen: Eine vollständige Allergenkarenz ist oft nicht möglich. Daher müssen Betroffene damit rechnen, dass immer wieder Symptome auftreten können. Diese sollten mit geeigneten Medikamenten behandelt werden.

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Vorsicht, Kreuzallergien!

Viele Heuschnupfen-Geplagte kennen es: Beim Verzehr von Äpfeln kribbelt es plötzlich im Gaumen oder die Lippen fühlen sich pelzig an. Oft steckt eine sogenannte Kreuzallergie dahinter. Das bedeutet: Die Pollenallergene sind jenen im Apfel so ähnlich, dass der Körper mit allergischen Symptomen reagiert. Solche Kreuzreaktionen sind zum Beispiel auch bei verschiedenen Tierarten nachgewiesen (z. B. Katze und Hund). Mehr erfahren über Kreuzallergien.

Hyposensibilisierung

Die einzige Möglichkeit, eine Allergie ursächlich zu behandeln, ist die Hyposensibilisierung. Sie wird auch als spezifische Immuntherapie (SIT) oder umgangssprachlich als „Allergieimpfung“ bezeichnet. Ziel ist es, dem Körper die Allergie gewissermaßen abzutrainieren. Dazu wird der Allergieauslöser unter ärztlicher Aufsicht in regelmäßigen Abständen über einen längeren Zeitraum verabreicht. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass die allergische Reaktion deutlich abgeschwächt wird oder sogar ganz ausbleibt. Speziell bei Pollen- und Hausstaubmilbenallergie ist die Hyposensibilisierung sehr erfolgsverprechend und wird häufig empfohlen.

Berufsberatung bei jungen Allergikern

Manche Berufe sind mit einem erhöhten Risiko für Allergien verbunden. Das gilt etwa für Gesundheitsberufe und das Friseur- und Bäckerhandwerk. Ungefähr ein Drittel der 14- bis 17-Jährigen leidet an mindestens einer allergischen Erkrankung. Betroffene sollten sich vor der Berufswahl eingehend beraten lassen und klären, welche Tätigkeiten für sie geeignet sind.

Allergie oder Unverträglichkeit?

„Echte“ Allergien

  • Das Immunsystem ist beteiligt.
  • Symptome treten nicht beim ersten Kontakt auf, da eine Sensibilisierungsphase erforderlich ist.
  • Oft reichen schon geringste Mengen des Allergieauslösers aus, um Symptome hervorzurufen.
  • Auslöser sind Proteine, z. B. auf Pollen. Zucker oder Salze können keine Allergie auslösen.
  • Beispiele: Heuschnupfen, Tierallergie, Hausstauballergie.

Unverträglichkeiten

  • Das Immunsystem ist nicht beteiligt.
  • Die Symptome können schon beim ersten Kontakt auftreten (es bedarf keiner Sensibilisierung).
  • Ursache können z. B. Vergiftungen oder Störungen bei der Verdauung oder Aufnahme von Nährstoffen sein.
  • Beispiele: Lebensmittelvergiftung, Unverträglichkeit gegen Milchzucker, Fruchtzucker, Gluten oder Schmerzmittel (ASS).

Häufige Fragen rund um Allergien

Meist reagieren bei einer Allergie die Körperstellen, die direkt mit dem jeweiligen Allergieauslöser (Allergen) in Kontakt gekommen sind. Da die meisten Allergene (z. B. Pollen, Milbenkot, Hautschuppen von Tieren) zu den sogenannten Inhalationsallergenen zählen, sind vor allem die Atemwege betroffen. Beschwerden wie Fließschnupfen, Niesreiz und Husten sind dementsprechend typisch für eine Allergie. Auch tränende Augen und eine juckende Nase kommen häufig vor. Bei Allergien auf Nahrungsmittel kann es darüber hinaus zu Juckreiz und Schwellungen im Mund- und Rachenraum oder an der Zunge kommen – aber auch Magen-Darm-Probleme sind keine Seltenheit. Bei Sonnenallergie oder Kontaktallergien kommt es zudem häufig zu Hautausschlägen. Mehr erfahren

Heute sind über 20.000 Substanzen bekannt, die Allergien auslösen können. Zu den häufigsten Allergien zählen die Pollenallergie (auch: Heuschnupfen), verschiedene Tierallergien (z. B. Katzenallergie, Hundeallergie) sowie die Hausstauballergie. Weitere Allergiearten sind zum Beispiel Nahrungsmittelallergie, Schimmelpilzallergie, Sonnenallergie, Insektengiftallergie, Kontaktallergie und die sogenannte Nesselsucht. Mehr erfahren

Bei Allergikern reagiert das Immunsystem überempfindlich auf bestimmte, eigentlich harmlose Fremdstoffe (sog. Allergene). Die Reaktion, die dann im Körper abläuft, ähnelt der Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems auf Krankheitserreger. Beispiel: Pollen oder Tierallergene bedeuten normalerweise keine Gefahr für den Körper – dennoch lösen sie bei einer Allergie Symptome wie Fließschnupfen oder tränende Augen aus. Der Grund: Unser Körper stuft die Fremdstoffe fälschlicherweise als gefährlich ein und aktiviert Abwehrmechanismen, um sie zu bekämpfen. Mehr erfahren

Früher galt die allgemeine Ansicht, Allergiker sei man ein Leben lang oder gar nicht. Hatte man als Kind keine Allergie, würde man später auch keine mehr entwickeln, so dachte man. Heute ist jedoch bekannt, dass Allergien in jedem Alter neu auftreten können. Die gute Nachricht: Speziell bei betroffenen Kindern schwächen sich die Symptome mit der Zeit ab oder die Allergie verschwindet sogar ganz.

Warum genau manche Menschen allergisch auf harmlose Stoffe reagieren, ist bislang ungeklärt. Man weiß aber, dass bestimmte Einflussfaktoren die Entstehung von Allergien begünstigen können. Eine besonders wichtige Rolle spielt beispielsweise die genetische Veranlagung. Darüber hinaus können auch Einflüsse wie Luftverschmutzung, Zigarettenrauch und chronischer Stress die Entstehung von Allergien begünstigen. Mehr erfahren

Hätten Sie's gewusst?

Mehr als 20 Prozent der Kinder und über 30 Prozent der Erwachsenen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer allergischen Erkrankung. Am häufigsten kommt der Heuschnupfen vor.

In den westlichen Industrieländern ist die Zahl der Allergiker in den vergangenen Jahrzehnten teils um das Zwanzigfache gestiegen.

Ist ein Elternteil allergisch, liegt das Allergierisiko des Kindes bei rund 20 Prozent. Haben beide Elternteile eine Allergie, steigt das Risiko sogar auf über 50 Prozent an.

Im Kindesalter sind Jungen häufiger von Allergien betroffen als Mädchen. Ab der Pubertät kehrt sich das Verhältnis um.

Die einzige Möglichkeit zur ursächlichen Behandlung von Allergien ist die sogenannte Hyposensibilisierung.

Im Schnitt leben zwei bis zehn Millionen Hausstaubmilben in einer Matratze. Eine solche Population kommt sechs Wochen lang mit einem Gramm menschlicher Hautschuppen als Nahrung aus.

Der Begriff „Tierhaarallergie“ ist eigentlich falsch. Denn tatsächlich reagieren Allergiker auf bestimmte Eiweiße, die sich zum Beispiel in Speichel, Talg oder den Hautschuppen der Tiere befinden.

Echte Nahrungsmittelallergien kommen eher selten vor. Nur etwa drei Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Hinter den Beschwerden stecken meist andere Ursachen – zum Beispiel Unverträglichkeiten oder eine Kreuzallergie.

Ähnlich wie bei anderen Hauterkrankungen kann Stress auch bei Nesselsucht die Symptome verschlimmern oder akute Schübe auslösen.

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